Gut, dass es die Daimons gibt

Lange haben sie mir im Kopf herum gespukt: die Daimons. Jetzt ist ihre Platte raus: Daimons. Berliner Portraits.

Wie nennt man das, was die Daimons machen? Multikulti-Musik? Ethnopop? Weltoptimierungsmusik?

Ich schlage vor: Gut-dass-es-sowas-gibt-Sound. In Berlin war ich mit den Daimons im Aufnahmestudio, als sie ihre Platte gemacht haben: Sie haben das Ding eingespielt, ich hatte eine Molle in der Hand und habe zugehört…

Das Gebäude in Mitte ist plain as day.

Kein Anarcho-Schick. Kein Underground-Feel. Man geht durch einen Hinterhof, wo ein Mittelklasse-Opel parkt, dann ein paar saubere Treppen hinauf.

Oben viele Kabel, die durch den Raum wuchern und an einer Stelle zusammenlaufen: Ein Tonstudio. Hier arbeitet Florian Keyserlingk. Er schiebt die Regler und sagt Nochmal! oder Gut!

Die Daimons, das sind neun. Eine passable Big Band. Ein Apparatus Musicus. Die Herren sind für die Technik zuständig. Die Damen für die Stimmgewalt. Constantin “Conne” Schöttle rappt. Der Front-Man der Daimons sieht ein bisschen aus wie der Front-Boy von der Zwieback-Werbung.

Aber – Scheiße! Der Typ kann rappen. Die Texte, die er und sein Mädchen schreiben, sind keine Kinderschokolade. Klar, es gibt den Wohlfühlstoff, der auf keiner guten Scheibe fehlen darf: “Reläääa-x, relax!”, zum Chillen und einen coolen easy Tag haben…

Titel wie “Irren”, in dem es gegen die Nazis geht, sind topaktueller politischer Stoff, heiß und brisant. Sound, der ein großes Maul hat. Und eine Message.

Sieht man die Daimons live, ist das vielleicht der Moment, wo einem ein Licht aufgeht: Man sucht, aber man sucht vergeblich nach dem Hampeln und Zappeln, den stilistischen Verrenkungen, mit denen sich aufstrebende Musiker gern hervortun… Die Daimons betreiben kaum Image-Building.

Diese Band ist auf eine geradezu irritierende Weise real.

Es ist wie wenn man in der Wüste steht und nach dem Geräusch sucht, das nicht da ist: Stille.

Denkt man an diese voll-synthetischen, durchdachten Szenegruppen, deren Mitglieder sich crazy verkleiden und  hilflos verspätetes Dada produzieren: Ein Kunst-Projekt sind die Daimons nicht. Sie scheinen frei von Verstellung

Sie schlagen nicht ihre Instrumente kaputt. Sie werfen mit nichts, als mit ihrem Sound. Ich bin perplex, – das Maul steht mir weit offen!

Und das ist Jazzadelic Soul.

Die Daimons sind eine Band von lauter Nackten: Die Masken, neun Stück, so kann man vermuten, hängen während des Konzerts in säuberlicher Reihe hinten in der Garderobe.

Die Daimons kommen auf die Bühne mit einem Klang und einem Feeling. Und ohne Fälschung.

Was bleibt?

Musik.

Die DAIMONS sind:

Stephanie Cuff (Gesang)
Anke Schultner (Background)
Eugenia Tapia (Background)
Constantin Schöttle (Rap)
Chris Reinhardt (Saxophon)
Alexander Grünberg (Schlagzeug)
Nicola Fanari / Josip Duvniak (Keys)
Peter Naderer (Bass)
Mike Budden (Gitarre)

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